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  Die Geschichte von Wallenhorst


Obwohl nicht urkundlich erwähnt, lassen historische Zeitdenkmäler darauf schließen, daß bereits in der jüngeren Steinzeit (etwa 3000 bis 1600 v. Chr.) nördlich von Osnabrück Menschen lebten. Zwei Großsteingräber und mehrere Hügelgräbergruppen und Flachgräber in unserem Raum geben hier eindeutige Hinweise, insbesondere der Hellmichstein - auch als Gevagrab bezeichnet - in Rulle und die Karlsteine im angrenzenden Hone (Stadtgebiet Osnabrück).

Die erste urkundliche Erwähnung finden wir 851 in der "Translatio Sancti Alexandri", dem Bericht über die Überführung der Gebeine des heiligen Alexander von Rom nach Wildeshausen durch Graf Waltbert, einem Enkel von Wittekind. Es wird berichtet, daß auf dieser Reise "in villa Wallenhust" ein Blinder namens Wetrih geheilt wurde. Das Wort villa deutet hier auf eine Siedlung bzw. auf ein Dorf hin. Der Name Wallenhorst wird allgemein als "Horst des Walo" gedeutet, was auf den Sitz eines sächsischen Edelings namens Walo schließen könnte.

Mit der alten Wallenhorster Kirche und der Wittekindsburg in Rulle befinden sich in Wallenhorst zwei der ältesten Kulturdenkmäler des Osnabrücker Raumes.
Die alte Kirche in der jetzigen Form wurde 1140 nach Chr. errichtet. Bei Ausgrabungen, die in den letzten Jahren in dieser Kirche durchgeführt wurden, konnte eindeutig ermittelt werden, daß es sich hier nicht um den ursprünglichen Bau handelt. Im Innern des Raumes sowie unter den Umfassungsmauern wurden Fundamente festgestellt, die darauf schließen lassen, daß diese Kirche mehrere Vorgänger hatte. Aufgrund der Forschungsergebnisse wird vermutet, daß der ursprüngliche Bau, von dem noch nicht bekannt ist, ob er als Gottesdienstraum diente, bereits in der karolingischen Zeit (700 bis 900 nach Chr.) vorhanden war.

Im Osten der Gemeinde finden wir in den letzten Jahren freigelegte Reste der Wittekindsburg. Nach einer Sage soll sich Wittekind nach einer verlorenen Schlacht an der Hase in die Burg zurückgezogen haben. Die derzeit bekannten Ausgrabungsergebnisse bestärken jedoch die Vermutung, daß diese Bauanlage erst in der Frankenzeit entstanden ist. Urkundliche Hinweise, die auf die Entstehung der Wittekindsburg hinweisen können, sind jedoch ebensowenig wie bei der alten Kirche in Wallenhorst vorhanden.
Die Ortsnamen Hollage, Lechtingen und Rulle werden erst in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erwähnt. Für Hollage taucht in dieser Zeit die Namensbezeichnung eines "Christian von Hollaghe" auf. Es wird vermutet, daß der Name auf eine "hohle Lage" hindeutet, womit der Taleinschnitt im südlichen Bereich der Gemeinde gemeint sein könnte.

Der Name Lechtingen wird allgemein als "Ort bei Lichtsignalen" gedeutet, was darauf schließen läßt, daß in vorgeschichtlicher Zeit bei drohenden Gefahren von hier aus durch Leuchtfeuer bzw. Rauchsignale die Bevölkerung gewarnt wurde.

Der Name Rulle wird auf das Jahr 1245 zurückgeführt. Während dieser Zeit sollte ein bisher in Haste gelegenes Nonnenkloster infolge Kriegswirren auf den Haster Berg verlegt werden. In einer Sage wird davon berichtet, daß das Holz zu diesem Bau vom Berg in das Nettetal rollte. Dieser Vorgang wiederholte sich mehrfach. Die Nonnen erkannten hierin eine göttliche Erklärung und bauten an der Stelle, zu der die Balken gerollt waren, das Kloster, das dann als Kloster Rulle bezeichnet wurde. Eine andere Namensdeutung, die nicht mit der historischen Klosterentstehung im Zusammenhang steht, erscheint jedoch wahrscheinlicher. Diese Version deutet auf das rollende, schnell fließende Wasser der Nette hin, woraus der Name Rulle abgeleitet worden sein soll, so daß der Name vermutlich schon vor der Klostergründung bestand.

Das kirchliche Leben dieses Raumes wurde zunächst nur durch die alte Wallenhorster Kirche bestimmt. Rulle trennte sich jedoch recht früh von Wallenhorst und bildete eine eigene Pfarrei. Dort wurde bereits 1150 die heutige Gnadenkapelle als erste Kirche gebaut, die zunächst noch Wallenhorster Tochterkirche war. 1250 wurde in Rulle dann eine eigene Pfarrkirche gebaut, die den bisherigen Bau einschloß. Die Erweiterung zum heutigen Bauwerk wurde 1928 begonnen.



Mittelpunkt im kirchlichen Leben der übrigen Gemeinden einschließlich Pye war die Wallenhorster Kirche. Die sternförmig angelegten Kirchwege, wie zum Beispiel Pyer Kirchweg, Barlager Kirchweg und Lechtinger Kirchweg, deuten darauf hin.

1922 trennte sich auch Hollage von Wallenhorst, wo inzwischen auf dem Bockholt eine neue Pfarrkirche entstanden war. Mir der Abtrennung der "Hollager", die in Fiestel eine eigene Kirche bauten, begann in der Gemeinde Hollage ein Prozeß der Verselbstständigung im kulturellen und wirtschaftlichen Leben.

Durch die Gebietsreform im Jahre 1972 wurden die vier vormals selbstständigen Gemeinden Rulle, Wallenhorst, Hollage und Lechtingen zur Gemeinde Wallenhorst zusammengefasst.

(Quelle: Heimat- Jahrbuch Osnabrücker Land 1974)

 

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